Bildende Kunst

3. April 2009: Hans Husel

1942
geboren in Speyer/Rh.
Buchhändler, Grafikdesigner, Galerist (galerie h), Studium d. Kunstgeschichte,  Kneipier  u.v.a. williger Verrichter fremdbestimmter Arbeit (Angestellter)

Arbeitsbereiche:
Zeichnungen, Druckgrafik, Collage, Objekte, Wortplastik, Aktionen, Projekte, Konzepte, Sofortbild, “Schlechte Fotografie”, Mail Art, Copy Art etc.

Immer mal wieder Kunstpausen.


(K)  =  Katalog

1971
Multimedia-Western “Schwierigkeiten mit Crazy Horse”
(UA 1972 im “sog. theater”, Saarbr.)

1971-73
experimentelle, fragmentarische, verschollene Super-8-Filme, (u.a. Blutspur“, Vorfilm zu …Crazy Horse)

1973-75
Jazzkeller im sog. theater mit sonntägl. Free Jazz Frühschoppen)

1979-80
Projekt “Plastische Vergangenheit - TRADITION” (Lit: ”Kunst im öffentlichen Raum. Saarbrücken, Bezirk Mitte,’45 - ‘96”, rsg. v. Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarlouis 1997)
Saarlandmuseum Saarbrücken,
Rathaus Ludwigshafen,
Reise übers Land (Fotodoku)

seit 1980
verstärkt Beteiligung an internationalen Mail -Art-Aktionen und -Ausstellungen


Ausstellungen:

ca.1972
Berufschule Zweibrücken,  Ausländerclub der Universität des Saarlandes (mit Klaus Eisenbrand),
diverse Kneipen

1980
Albrecht d, Heinz Diesel, Hans Husel (u.a. mit der TRADITION), Peter Below;
Galerie im Zwinger, St.Wendel (copyK);
”Der häßliche Jurist”,
 Galerie Henning, Hamburg (K)

1983
„Wortsalat“, Installation zum Goethe-jahr mit möglicher Publikumsbeteiligung,
Alte Feuerwache (Wolkenschloss)

1984
”1984”, Straßburg, Saarbrücken (Moderne Galerie);
Brüssel, Lüttich, Metz, Luxemburg, Venlo (K)

1987 / 89 / 91 / 95 / 2000
Landeskunstausstellung
“Kunst-Szene-Saar”,
Saarland Museum, Saarbrücken
und Bürgerhaus Neunkirchen (K)

1989
Galerie im Zwinger (mit Rudolph Schwarz), St. Wendel;
Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken

1990
“Arbeiten auf Papier”, Museum St. Wendel (K);
Saarländischer Künstlerbund, Stadtgalerie Saarbrücken (K)

1992
”Schwarzundweiss”,
Saarländischer Künstlerbund, Stadtgalerie Saarbrücken (K)

1993
“Anschreiben gegen Gewalt”
Aktion in der Galerie Weinand-Bessoth, Saarbrücken;
Edition Saarl. Künstlerbund,
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K)

1994
“Typisch deutsch”,
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K);
Verlust der “Tradition”;
“Künstlerbücher”, Saarländ. Universitäts- und Landesbibliothek,
“13. Internationale Triennale für Grafik (Copy Art)”,
Grenchen, Schweiz;
Visuelle CD’s “signs of music”
(Edition für Barry Guy, Cambridge)

1995
“393 Jahre Fotografie”,
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K);
Edition Saarl. Künstlerbund ‘95,
Saarländisches Künstlerhaus, (K);
“Farbenheit”, Saarländischer Künstlerbund,
Stadtgalerie Saarbrücken (K)

1996
Internationaler Copy Art Wettbewerb, Grenchen, Schweiz;
“coop 14/7”, Saarländischer Künstlerbund,
Stadtgalerie Saarbrücken (K)

1998
“pro viele”,
Saarländischer Künstlerbund,
Stadtgalerie Saarbrücken (K)

1999
”Kunst im Kasten”,
Saarländisches Künstlerhaus,
Saarbrücken (K);
Edition Saarl. Künstlerbund ‘99,
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (K)

2000
”Saarbrücken – Kiel – Kunst – Kiel – Saarbrücken”,
Brunswiker Pavillon, Kiel (K);
”Positionen der Zeichnung im Saarland”,
Stiftung Demokratie Saarland, Saarbrücken (K);
”wasser / water / l’eau”
2. Internationale Mail-Art- Biennale,
Kunstverein Bad Salzdetfurth e.V., Bodenburg;
”Kunstszene Saar – Visionen 2000”,
Bürgerhaus Neunkirchen

2001
Saarländischer Künstlerbund:
“Am Grün fehlt es ja nicht...”, Saarländisches Künstlerhaus; “Vor der Natur”, Stadtgalerie Saarbrücken (K) ;Textinstallation, K4 forum

2002
Accrochage, K4 galerie , Saarbrücken

2003
“DinArt1”,
Saarländisches Künstlerhaus (Pl);
“kunst los”  Saarl. Künstlerbund,
Stadtgalerie Saarbrücken (K);
Edition Saarl. Künstlerbund 2003,
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbr. (K)

2004
"Meterware - Metaware",
Saarländisches Künstlerhaus, Saarbr. (K)

2005
"Aus der Serie II", K4 galerie, Saarbrücken;
"Meterware - Metaware" & mehr, Zehnthaus, Jockgrim (mit Lukas Kramer)

2006
„Alles Fußball – oder was?“,
Saarländische Künstler zur WM,
Museum St. Wendel, Mia-Münster-Haus (K);
Edition Saarländischer Künstlerbund 2006,
Saarländisches Künstlerhaus und Stadtsparkasse Sbr. (K)

2007
„Camouflage“ Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken (Pl)
„Zeitsprung“ 85 Jahre Saarländischer Künstlerbund, Stadtgalerie Saarbr.  (K)
„Pool 85“ Edition Saarländ. Künstlerbund 2007, Saarländisches Künstlerhaus

2008
keine Einladung zur „Landeskunst“



1985 - '98 Redakteur der Veranstaltungsreihe “Improvisierte Musik” in der  Stadtgalerie Saarbrücken, mit internationalen MusikerInnen;

ab 2003 fortgesetzt unter dem Titel
“künstlerhausmusik”
im Saarländischen Künstlerhaus.

2001 - 2008 Mitarbeit an grenzüberschreitenden Projekten:
“Mein Aldi - mon Cora - de Lux”
sowie  „hArt an der grenze“,
initiiert vom Saarländischen Künstlerhaus.

 

…Zur  künstlerischen Vorgehensweise Husels gehört also (häufig) Sprache, gehören Bildtitel, mit denen er die von ihm entworfenen Sachverhalte sozusagen beim Wort nimmt und phonetisch bebildert. …
… Hans Husel wäre indes nicht der vertraut schöngeistige Grantler mit schmerzhafter Welt- und Weitsicht, ginge es ihm dabei nur um die schnelle Spaßnummer – da lässt sich vielmehr jemand ein auf den  Spagat von Sprache und Bedeutung  und verbindet dabei verschiedene Lager der klassischen Kunstgeschichte. …
... Bereits die Expressionisten &  Kubisten setzten in ihren Collagen und Demontagen auf die Interferenz von Bild- und Sprach-Modulen. Seit Duchamp hat sich der Wirklichkeitsanspruch der Kunst radikal verändert. Das ready made als nicht eigens geschaffenes, sondern vom Künstler als Kunstwerk erkanntes und verteidigtes Objekt alltäglichen Umganges genießt längst öffentliche Reputation. Schrittsicher  bewegt sich Hans Husel auch in der Rolle eines postumen Dadaisten, der Sinn findet im Konjugieren des scheinbar Sinnentleerten. Mit der ihm eigenen peinlichen Sorgfalt widmet er sich der Aufgabe als todernster Gedanken-Spieler, und es ist vielleicht kein Zufall, dass sein Spielzeug etwas ziemlich Unbestechliches ist: ein Maßstab  eben. …
… Dass Husels Absage an den Autorenkult eine ähnliche Subversionsstrategie verfolgt, ist  eine Art Gütezeichen seiner Kunst des allgegenwärtigen Zweifels. Sowas passiert , wenn einer  dem Absolutheitsanspruch von Menschenwerken zutiefst misstraut. Und der Kunst sowieso. …
… . In der jüngeren Kunstgeschichte finden sich Beispiele für die Rolle des habituellen Spötters bei den  Künstlerkollegen von Fluxus und beim Belgier Broodthaers, auch in Polkes, Kippenbergers und Herolds Arbeiten aus den 80er Jahren,  die ihre ironischen Pointen häufiger aus dem Aufspüren des Banalen formulierten. Dieser Generation aus der Köln-Düsseldorfer Kunstszene stand Hans Husel seinerzeit nahe. Seine konzeptuellen Projekte jener Epoche mit  Sprachvexierbildern,  in denen Texte visualisiert und Buchstaben als plastische Bedeutungsträger verhandelt  werden – sie sind heute zeitgeistiger Restbestand eines wohl kollektiven künstlerischen Anliegens. In verblüffend mentaler Wahlverwandtschaft findet sich auch der Hannoveraner Timm Ullrichs: beide setzen ihre wortakrobatischen  Realitätsbefragungen in Szene und beackern sichtlich lustvoll das weite Feld der Sprachmutationen. Kunst ist Leben. Leben ist Kunst.
 
(Auszüge aus dem Katalog "Meterware - Metaware" von Ingeborg Koch- Haag, Kunsthistorikerin)

 
 
 
... Wenn ein Vertreter der Konzept- wie Objektkunst zwischen Dada, Duchamp und Spontisprüchen in die Jahre kommt, dann schrumpft das Wortspiel zum Kalauer. ... Dann regiert der ranzige Altherrenhumor, bei dem der Wunsch Vater des Gedankens scheint: "Messlatte", der Mega-Penis mit einem Metermaß nachgebaut, kehrt heim in die Niederung des sinnverweigernden, antiautoritären Sprachwitzes ... heute längst zahnlos geworden ... den Schleim der Werbesprache saugt ... ist bester Alt-68-Muff ... maßstabsgetreue Bastelstunde ... der handgedrechselte Sprachwitz ... Protest als Sinnverweigerung, der Allgemeinplatz des Querdenkers entlarvt sich auch hier als die Simulation des Protestes, denn Querdenken geht nur im System. So bleibt alles eine "Opa-rette".
 
(Auszüge aus der Ausstellungsbesprechung  in der "Saarbrücker Zeitung" von Sabine Graf)


26. September 2007: Armin Rohr