Spielraum Heiligenwald

Samstag 25. Mai 2019, 20:00 Uhr

20:00 Uhr im Spielraum Heiligenwald

Eintritt: 10 Euro (6 Euro erm.)
Beginn: 20:00 h


Undertone Project – Die „Im, In-, Um- & Auslieder“
(nach Bildern von Walter Bernstein)

Mit einer kleine verbale Einführung in die Komposition durch Christof Thewes.
  • Andreas Krennerich – Bari-, Sopran- u. Sopranino-Saxophon
  • Dirk-Peter Kölsch – Schlagwerk
  • Martin Schmiddi Schmidt – Mandoline
  • Christof Thewes – Posaune, Komp.

Die „Im, In-, Um- & Auslieder“

Vor mehreren Jahren entdeckte die Kunsthistorikerin Ingeborg Besch die Bilder des Schiffweiler Malers Walter Bernstein (1901-1981) und stellte sie in einer größeren Ausstellung im Saarland vor.

Von den Bilder des quasi vergessenen Künstlers, die sich inhaltlich auch mit der Schwerindustrie des Saarlandes –Eisenhütten und Bergwerken und deren Arbeiter- beschäftigten, zu tiefst beeindruckt, hat der Komponist Christof Thewes einen Liederzyklus – „Die Im , In- , Um- & Auslieder“ – geschrieben, der von diesen Bildern inspiriert ist. Interpretiert wird die Musik von der Gruppe Undertone Project.

Parallel zur Musik und in einer besonderen Dramaturgie werden die Bilder von Walter Bernstein an die Wand projiziert und erzählen mit der Musik eine ganz eigene, „menschliche“ Geschichte der Schwerindustrie, ein multimediales Kunsterlebnis, das Intellekt wie Herz anspricht, in seiner historischen wie künstlerischen Sicht einen neuen Blick auf diese Zeit wirft. In einer Kurzfassung im Sommer letzten Jahres in Germersheim und in Heiligenwald in einem Doppelkonzert vorgestellt, wurde die Musik begeistert aufgenommen und sollte jetzt komplett mit allen Titeln und allen Bildern aufgeführt werden.

Ausserdem wird Christof Thewes eine kleine verbale Einführung in die Komposition geben.

Undertone Project

Von Christof Thewes und Martin „Schmiddi“ Schmidt wurde Undertone Project 1991 als reines Musikduo gegründet und entwickelte sich seitdem kontinuierlich zu einer „Musikfabrik“ aus, die von Duo bis Big Band in unterschiedlichsten Kontexten agiert.

Ausserdem wurde ein eigenes Label gegründet und ein Tonstudio eingerichtet, in dem seit 2006 jeden Monat neben den vielen Auftritten Konzerte organisiert und mitgeschnitten werden. Undertone Project spielte mit Alexander von Schlippenbach, Paul Lovens, Evan Parker, Rudi Mahall, Jan Roder, Ollie Steidle und vielen anderen und nun in der neuesten Version mit dem Schlagzeuger Dirk-Peter Kölsch und dem Saxophonisten Andreas Krennerich.

UNDERTONE PROJECT bedient sich inspirativ unterschiedlicher Genres. Im improvisierenden Kontext verschmelzen jazz- und populärmusikalische Strukturen mit Elementen der Neuen Musik. Ist das jetzt Freejazz à la Ornette Coleman, von Schönberg, Frank Zappa oder ELP inspiriert? Ein Reinheitsgebot oder reine Lehre (Leere?) gibt es nicht, wird sozusagen ungewollt ad absurdum geführt. Die Thewesschen Kompositionen überzeugen durch melodische und rhythmische Vielfalt. Organisch verbinden die vier Musiker Tradition und abstrakt klingende Zwölftönigkeit mit emotionaler Interpretation und ihrem jeweiligen Personalstil. Die Grundbesetzung des Quartetts besteht aus Christof Thewes – Posaune, Hartmut Oßwald – Saxophone/ Bassklarinette, Martin „Schmiddi“ Schmidt – Elektronic-Bass/Mandoline und Dirk Peter Kölsch – Drums/Percussion. In Verbindung mit der kompositorischen Arbeit und den Arrangements von Christof Thewes ermöglicht die(se) feste Besetzung einen kontinuierlichen künstlerischen Prozess, der sich unter anderem auch in der Erarbeitung unterschiedlicher programmatischer Themen widerspiegelt: Wie zum Beispiel 2006 die Neubearbeitung von Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“

Thewes und Krennerich spielen seit einigen Jahren in der Gruppe monkolog 16 zusammen, in der sie sich der Musik Thelonius Monk‘ widmen .
Wie auch Martin Schmidt und Dirk-Peter Kölsch haben sie in ihrer Musik und Projekten stets eine Nähe zur europäischen modernen Klassik anklingen lassen, die in diesem Projekt in seiner kammermusikalischen Klanglichkeit und expressionistischen Rhythmik zum Ausdruck kommt.

Walter Bernstein (1901 – 1981) 

Bernstein wuchs in Neunkirchen als Sohn eines Baumeisters der Bürgermeisterei auf. Er hatte als Kind und Jugendlicher den Wunsch Künstler zu werden, beugte sich jedoch zunächst der väterlichen Anordnung und erlernte einen ordentlichen Beruf. Anstreicher und Malermeister sollte es werden. Seine Wanderjahre führten ihn nach Nürnberg, wo er die eigene Laufbahn begann. Er studierte nach der Gesellenprüfung drei Jahre an der Kunstgewerbeschule von 1923 bis 1926. Aber es zog den intensiven Arbeiter weiter in die Hauptstadt der Künstle nach Berlin. 1926 bis 1934 studiert er freie Kunst und wird Meisterschüler bei Hans Meid. Sein Leben hatte mit Erfolgen und erstem Eheglück bereits eine Form, die durch den Tod der jungen Frau und seinen Auszug an die Front jäh zerschlagen wurde.

Einer, der den Tanz und das Theater liebte, Käthe Kollwitz und Max Slevogt verehrte, den Matthias Claudius und Bertolt Brecht inspirierten, der nach Shakespeares Hamlet und nach Fidelio von Ludwig van Beethoven zeichnete, der im gleichen Haus wie Walter Benjamin in der damaligen Nettelbeckstraße 24, Berlin Charlottenburg wohnte, der kehrt nach sechs Jahren des Umherirrens in den Wirren des Krieges in seine Heimat an die Saar zurück.

Die wenigen Zeugnisse der Vorkriegsarbeit machen deutlich, dass Bernstein bei seinen bereits entwickelten Themen bleibt. Die Landschaft der neuen alten Heimat wird allerdings nicht von Seen, sondern von Hütten- und Grubenanlagen, von Fördertürmen und Halden geformt. Er nimmt seine Aufgaben ernst und das Leben nimmt ihn ernst. Menschen in Leid und Not werden ihm wichtige Themen, wie die Vertriebenen ohne Heimkehr der Zypernkrise 1974. Zu Hause ist es das Leid des einzigen Sohnes, dessen „Heimkehr“ unerbittlich näher rückt. Michael stirbt mit 32 Jahren, drei Monate vor seinem Vater.